Bund-Zeitung: „Kein Mensch kann von acht Franken im Tag leben“

2020-01-17 Der Bund Acht Franken am Tag und keine Zukunft Tsering

Was Tsering Dolmatsang erlebt, entspricht dem Schicksal von weiteren 300 tibetischen Asylsuchenden und über 8’000 Asylsuchenden in der Schweiz (davon nicht alle in der Langzeitnothilfe). Unsere Gesellschaft muss erfahren, dass Menschen in unserem reichen Land verelenden. Wer in der Nothilfe nicht schwarz arbeitet, kann sich mit 8 Franken kaum drei Mahlzeiten pro Tag finanzieren. Menschen, die von Staates wegen Hunger leiden müssen – in der Schweiz als Depositarstaat humanitärer Organisationen?

Leserbriefe zum Bund-Artikel:

2020-01-21 Der Bund Leserbriefe zu Tsering Dolmatsang

Empfehlungen der eidgenössischen Migrationskommission EKM für «Personen, die aus dem Asylsystem ausscheiden» (18. Dezember 2019)

2019-12-18 Zusammenfassung der Empfehlungen der EKM

Wege aus der Nothilfe eröffnen

«… Nothilfe. Ursprünglich war sie für abgewiesene Asylsuchende gedacht, die nicht freiwillig ausreisen und die durch ihr Verhalten eine Rückschaffung verunmöglichen. Durch eine möglichst unattraktive Gestaltung des Nothilferegimes sollten sie zur Ausreise bewegt werden. Betroffen von diesem Regime sind aber auch abgewiesene Asylsuchende, welche trotz rechtskräftiger Wegweisung die Schweiz gar nicht verlassen können, beispielsweise weil es nicht möglich ist, die nötigen Reisepapiere zu beschaffen oder weil das Herkunftsland nicht bereit ist, sie wiederaufzunehmen.

Petition „Eine Lehre – eine Zukunft“

Mehr als 10’000 Personen haben die Petition des Vereins Eine Lehre – eine Zukunft unterzeichnet, welche anstrebt, es jungen Asylsuchenden mit negativem Asylentscheid zu erlauben, ihre Ausbildung abzuschliessen.

Die Unterschriften wurden dem Schweizer Parlament und dem Grossen Rat des Kantons Bern am 26. November 2019 überreicht.

Seit einiger Zeit häufen sich leider die Fälle von abgewiesenen Asylsuchenden, welche ihre Ausbildung abrupt abbrechen müssen, weil sie einen negativen Asylentscheid erhalten haben. Viele der jungen Leute sind minderjährig vor Jahren in die Schweiz gekommen und sind hier gut integriert. Viele können nicht in ihr Herkunftsland zurückkehren und werden für Jahre in ein perspektivloses Dasein in der Nothilfe verbannt.

Die Berner Zeitung und die Bund-Zeitung berichten darüber:

2019-12-03 Der Bund Erst die Lehre, dann die Rückweisung

2019-11-27 Berner Zeitung Abgewiesene Asylbewerber sollen Lehre beenden Print

2019-11-28 BZ Philippe Müller Sie weigern sich zurückzukehren

Dazu Leserbrief in der Berner Zeitung vom 30.11.2019:

2019-11-30 BZ Leserbrief zum Interview m. RR Ph. Müller

Regierungsrat Philippe Müller zeigt wenig Verständnis für die Situation weggewiesener Asylsuchender. Für ihn sind diese Menschen renitent, wenn sie nicht alsbald in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Er verweist dabei auf die Entscheidungen der Bundesbehörden (SEM und BVGer St. Gallen) und sieht sich als deren Willensvollstrecker. Leider will er nicht einmal den Spielraum ausschöpfen, den der Kanton hätte (siehe Beispiel Basel-Stadt oder Waadt). Er übersieht auch die Realität, dass es Gruppen gibt, die nicht problemlos in ihr Herkunftsland zurückkehren können (z.B. tibetische und eritreische Asylsuchende).

Eritrea: Aufgrund des politischen und gesellschaftlichen Drucks gegenüber der grössten Flüchtlingsgruppe, auch durch ein geschicktes Lobbying regimefreundlicher Kreise zeigt die Schweiz gegenüber diesen Menschen eine der repressivsten Haltungen im europäischen Vergleich. Tibet: Seit dem Abschluss des Freihandelsabkommens mit China haben die Wegweisungen von tibetischen Asylsuchenden deutlich zugenommen. Diese Menschen verlassen die Schweiz nicht freiwillig. Sie bleiben in der Nothilfe, wobei Nothilfe nicht etwa Hilfe in der Not bedeutet, sondern Not erzeugen will, um den Ausreisedruck zu erhöhen. Diejenigen, die nicht in der Nothilfe verelenden wollen, tauchen ab oder weichen in den Schengenraum aus, um dann als Dublin-Fälle später wieder in der Schweiz zu landen.

Es ist ein unwürdiges Spiel des Kantons, sich die Hände in Unschuld zu waschen und sich stets hinter den Bundesbehörden zu verstecken.

Petitionstext:

Petition Eine Lehre – Eine Zukunft-DE-2

NZZ-Afrika-Korrespondent David Signer besucht Eritrea

2019-11-27 NZZ Etwas ist faul am Staat Eritrea David Signer

„Nach Eritrea reisen, um zu sehen, wie schlimm die Situation im Land wirklich ist. Was so einfach klingt, ist kompliziert. In einem anderen Land würde man beispielsweise mit Vertretern der Bürgergesellschaft sprechen, mit NGO, mit Repräsentanten verschiedener politischer Parteien, mit einheimischen Journalisten, mit dem IKRK, mit Gelegenheitsbekanntschaften. Das alles ist hier nicht möglich. Es gibt praktisch keine NGO, es gibt nur eine einzige Partei (die Regierungspartei), nur eine einzige Zeitung (die Regierungszeitung), das IKRK darf keine Gefangenen besuchen, und die Gelegenheitsbekanntschaften sind nicht scharf darauf, mit einem ausländischen Journalisten über die Regierung zu sprechen.“

 

 

Petition «Für eine menschliche Schweizer Politik gegenüber Asylsuchenden aus Eritrea»

Menschenrechtstag 10. Dezember

Am Tag der Menschenrechte vom 10. Dezember 2019 gibt ACAT-Schweiz einen Einblick in die katastrophale Menschenrechtslage in Eritrea. In einer Petition fordern wir, dass die Schweizer Verelendungs-Strategie gegenüber eritreischen Asylsuchenden durch eine menschliche Politik ersetzt wird. Unterzeichnen Sie die Petition an Frau Bundesrätin Karin Keller-Sutter gleich online!

ACAT-Schweiz – Für eine Welt frei von Folter und Todesstrafe